Napoleon und die Bienen

Bienen waren und sind beliebt bei den Herrschern dieser Welt und wurden von diesen schon früh zu Wappen- und Flaggentieren gemacht. Der Griechische Philosoph Platon (428 – 348 v.Chr.), bekannt aus der Formulierung der «platonischen Liebe», sah in den Bienen ein Symbol für die Tugendhaftigkeit. Shakespeare hingegen nutzte die Analogie eines Bienenvolkes zur Benennung eines idealen Königreiches, während die alten Ägypter die Bienen bereits stolz in ihrem Wappen trugen. Kaum verwunderlich also, dass auch der nach Macht strebende Napoleon Bonaparte die Biene als sein persönliches Emblem wählte.

Der erste Französische König

Die Verbandelung zwischen Frankreichs Herrschern und den fleissigen Bestäubern beginnt aber schon früher. Childerich von Tournai (auch Childerich I.) ist der erste historisch nachweisbare König von Frankreich aus dem Geschlecht der Merowinger. In den 460er und 470er Jahren legte er den Grundstein für die Ausweitung des Frankenreichs, welche unter seinem Sohn Chlodwig I. stattfand.

Als man 1653 Childerichs Grab in Belgien fand, entdeckte man neben den üblichen Grabbeigaben wie Waffen, Schmuck und Münzen auch 300 goldene Bienenanhänger. Angeblich sollen diese als Anhänger für seinen Brokatmantel gedient haben.

Abbildung 1: Les abeilles de Childerich – Childerich von Tournai’s Grab enthielt 300 dieser goldenen Bienenanhänger. Erhalten geblieben sind deren lediglich zwei.
Abbildung 1: Les abeilles de Childerich – Childerich von Tournai’s Grab enthielt 300 dieser goldenen Bienenanhänger. Erhalten geblieben sind deren lediglich zwei.

Napoleon auf der Suche nach Macht

Als Napoleon 1804 die Kaiserwürde angetragen worden war, krönte er sich in der Kathedrale Notre Dame de Paris selbst zum Kaiser. Die Lilie der Bourbonen, welche bis dahin als Insigne diente, hatte durch die Revolution einen faden Beigeschmack bekommen. Auf der Suche nach neuen Machtsymbolen, welche sich auch von der Bourbonen-Dynastie unterschieden, wählte Napoleon die Bienen. Dabei referenzierte er auf das Grab Childerichs und sah in den Bienen ein Symbol für die Unsterblichkeit und die Wiedergeburt. Kombiniert mit dem Adler, welcher auf das alte Römische Reich verwies und Napoleons Machtanspruch unterstrich, wurde die Biene in verschiedensten Formen verwendet.

Abbildung 2: Das Wappen Kaiser Napoleons I. aus dem Hause Bonaparte. In der Mitte prominent platziert der Adler, auf dem roten Kaisersmantel finden sich die Bienen wieder.
Abbildung 2: Das Wappen Kaiser Napoleons I. aus dem Hause Bonaparte. In der Mitte prominent platziert der Adler, auf dem roten Kaisersmantel finden sich die Bienen wieder.

Die Mäntel, Tücher und Vorhänge des neuen Kaisers trugen das Wappen und ausser ihm, seinem Hofstaat und einigen wenigen auserwählten Offizieren durfte sich niemand mit den Insekten schmücken – eine ziemlich restriktive Haltung.

Biene und Bienenstöcke als Wappentier in der Heraldik

Abbildung 3: Das Wappen der Insel Elba mit drei goldenen Bienen.
Abbildung 3: Das Wappen der Insel Elba mit drei goldenen Bienen.

Auch in der Wappenkunde sind die Bienen präsent. Während Napoleon im Exil auf Elba weilte, veranlasste er, dass drei goldene Bienen als Anerkennung für die hart arbeitende Bevölkerung in das Wappen integriert wurden. Doch auch im deutschsprachigen Raum sind die Bienen oder ganze Bienenstöcke in der Heraldik verbreitet. Das wohl schönste Beispiel dafür ist die thüringische Gemeinde Ebeleben, welche stolz einen Bienenstock inklusive herumschwirrender Bestäuber im Wappen trägt.

Abbildung 4: Das Wappen der thüringischen Gemeinde Ebeleben mit einem gesamtem Bienenstock.
Abbildung 4: Das Wappen der thüringischen Gemeinde Ebeleben mit einem gesamtem Bienenstock.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Bienen nicht nur auf den Gemeindewappen, sondern auch im echten Leben auf der Erde erhalten bleiben. Indem wir uns für die Imkerschaft einsetzen und eine Stärkung der Bienenvitalität fördern, leisten wir unseren Teil dafür.

Napoleon und die Bienen
Vatorex, Pascal Brunner
26 May, 2018
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Buchtipp: «Die Geschichte der Bienen»
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