Das kleine ABC der Königinnenzucht

Bald ist Schwarmzeit und damit auch ein guter Zeitpunkt um mit der Königinnenzucht zu beginnen. Wir haben für Sie einen Überblick über die Grundlagen und gängigsten Zuchtmethoden zusammengestellt. Für all jene die gerne Königinnen krönen.

Biologische Grundlagen der Königinnenzucht

Wie bei allen Nutztieren und -pflanzen hat auch bei der Honigbiene die Zucht eine lange Tradition und beeinflusste massgeblich deren Eigenschaften. So stieg der Honigertrag in den letzten hundert Jahren kontinuierlich an, was einerseits durch eine optimierte Bienenhaltung begründet sein kann, aber auch durch die Zucht leistungsstarker Völker begünstigt wurde. Die Zucht macht sich den natürlichen Vermehrungs- und Erhaltungstrieb der Bienen zunutze und fördert gezielt Völker mit gewünschten Eigenschaften.

Vermehrungs- und Erhaltungstrieb

Die Königin ist die Mutter aller Arbeiterinnen eines Volkes und kann als einziges Weibchen befruchtete Eier legen. Sie ist somit für den Fortbestand des Volkes unabdingbar. Junge Königinnen entstehen durch Fütterung der Larve mit Gelee Royal (Futtersaft) anstelle von Pollen. Die Aufzucht solcher Jungköniginnen wird durch das Königinnenpheromon unterdrückt. Dabei handelt es sich um eine Substanz, welche von den Königinnen fortlaufend abgegeben wird und sich im Stock verteilt. Wird der Platz im Nest knapp, kann sich die Substanz nicht mehr richtig verteilen und die Bienen kommen in Schwarmstimmung. Auch bei älteren Königinnen, welche nur noch geringe Mengen des Pheromons abgeben, oder bei einem plötzlichen Verlust der Königin reagieren die Bienen mit dem Bau von Weiselzellen. Diese Verhaltensweise wird bei der Königinnenzucht ausgenutzt, um die Arbeiterinnen zur Aufzucht von Königinnen zu veranlassen.

Künstliche Auslese

In der Natur können nur überlebens- und fortpflanzungsfähige Organismen ihre Gene an die nächste Generation weitergeben. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von natürlicher Selektion, welche die treibende Kraft hinter der Evolution von Lebewesen ist. Durch gezieltes Eingreifen in die Biologie der Honigbiene kann auch die natürliche Selektion beeinflusst werden. So verhindern Krankheitsbehandlungen, dass nur widerstandsfähige Völker überleben. Zudem kann durch Eingreifen in die Fortpflanzung und das gezielte Fördern gewünschter Eigenschaften auch sogenannte künstliche Selektion oder Zucht betrieben werden.

Die Eigenschaften eines Lebewesens werden sowohl durch sein Erbgut als auch durch seine Umwelt bestimmt. So wird der Honigertrag eines Bienenvolkes einerseits durch das Trachtgebiet beeinflusst und andererseits durch die Sammelleistung des Volkes. Nur erbliche Eigenschaften können in der Zucht gezielt gefördert und so von Generation zu Generation erhöht werden. In der Bienenzucht berücksichtigte Merkmale zielen darauf ab den Honigertrag zu steigern, die Bienengesundheit zu fördern sowie die imkerliche Praxis zu vereinfachen. Für die Zucht geeignete Eigenschaften sind Frühjahresentwicklung, Volksstärke, Schwarmtrieb, Putztrieb, Winterfestigkeit, Sanftmut und Wabensitz.

Bei vielen Eigenschaften stimmen die natürliche und künstliche Selektion überein. So ist es im Interesse der Imker, wie auch der Bienen grosse Honigvorräte zu erzielen und auch die natürliche Selektion begünstig starke, krankheitsresistent Völker. Nur bei zwei Merkmalen züchten die Imker entgegen der natürlichen Selektion. Während in der Natur aggressive Bienen über eine bessere Verteidigung gegen Feinde verfügen und somit bessere Überlebenschancen haben, ist ein aggressives Verhalten entgegen dem Interesse der Imker. Ebenso ist eine hohe Schwarmneigung vorteilhaft für die Bienen, da es sich dabei um den natürlichen Vermehrungsprozess handelt. Die meisten Züchter fördern hingegen Schwarmträgheit, da das Schwärmen zu Honigeinbussen führt.

Zucht im Pflegevolk

Die meisten Zuchtverfahren verwenden ein sogenanntes Pflegevolk, welches aus dem Zuchtstoff – Eiern oder jungen Larven des Zuchtvolkes – Jungköniginnen heranzieht. Während das Zuchtvolk über die gewünschten Eigenschaften verfügt, sollte das Pflegevolk kräftig sein und über gute Nahrungsreserven verfügen. Deswegen kann das zukünftige Pflegevolk frühzeitig mit Brut- und Futterwaben unterstützt werden. Bei der Zucht im Pflegevolk unterscheidet man zusätzlich zwischen weisellosen und weiselrichtigen Pflegevölkern.

Weiselloses Pflegevolk

Um ein weiselloses Pflegevolk zu erhalten kann man entweder einem Volk die Königin entnehmen (diese kann z.B. in einem Ableger verwendet werden) oder es kann ein Brutableger gebildet werden. In beiden Fällen muss anschliessend 10 Tage gewartet werden bis mit der eigentlichen Zucht begonnen werden kann. Am Ende dieser Wartezeit werden dem Pflegevolk alle Weiselzellen entnommen und der Zuchtsoff zugegeben. In einem weisellosen Volk können zwischen 15 und 40 Jungköniginnen herangezogen werden.

Figure 1: Breeding in queenless colonies.
Figure 1: Breeding in queenless colonies.

Weiselrichtiges Pflegevolk

Bei der Zucht im weiselrichtigen Pflegevolk wird den Bienen vorgegaukelt weisellos zu sein um sie zur Anzucht von Jungköniginnen zu veranlassen. Gezüchtet wird im Honigraum, wobei die Königin mit einem Absperrgitter von diesem ferngehalten wird. Für die Zucht im Honigraum muss dieser satt mit Bienen besetzt sein, es sollte deswegen nicht kurz vor der Zucht erweitert werden. Da die Bereitschaft der Bienen im Honigraum Weiselzellen zu ziehen zudem stark von der Königin und dem Zustand des Volkes abhängt, wird das Volk mit einer temporären weisellosen Einheit ausgetrickst und zur Annahme des Zuchtstoffes gezwungen. Auch hier stehen zwei Verfahren zur Auswahl; Anbrüter und Starter. Unabhängig der gewählten Methode lassen sich pro Pflegevolk ca. 10-12 Jungköniginnen heranziehen.

3-frame nuc

Mit einem Anbrüter kann anschliessend in vier Pflegevölkern Zucht betrieben werden. Zur Vorbereitung der Pflegevölker auf die Zucht, werden zwei Brutwaben mit offener Brut in die Mitte des Honigraums gehängt, wobei zwischen den Brutwaben eine Wabengasse freigehalten wird für das spätere Einhängen des Zuchtrahmens. Die Ammenbienen werden nun vom Brut- in den Honigraum wandern um sich der Brut anzunehmen. Ein Tag nach dem Umhängen der Brutwaben in den Honigraum, können die hochgewanderten Bienen von drei bis vier Pflegevölkern in einem Anbrüter vereint werden. Dem Anbrüter wird eine Pollen-, eine Honig- und eine Wasserwabe (in lauwarmen Wasser getauchte Leerwabe) zugegeben. Da der Anbrüter immer geschlossen bleibt, sollte der Kasten gut belüftet sein.Nach einigen Stunden Ruhezeit an einem kühlen Platz kann der Zuchtstoff eigehängt werden. Anschliessend muss der Anbrüter nochmals für maximal 24 Stunden ruhen bevor die vorbereiteten Näpfe entnommen und auf die Pflegevölker verteilt werden können. Auch die Bienen des Anbrüters können nun wieder mit den Völkern vereint werden, denen sie entnommen wurden.

Figure 2: Breeding with 3-frame nuc in the queenright colonies.
Figure 2: Breeding with 3-frame nuc in the queenright colonies.

Starter

To obtain a starter, a box with four brood combs (flanked on both sides by one pollen- and one honeycomb) is placed on top of the hive of a strong colony. The already existing queen does not have access to this are by means of a queen excluder. The nurse bees of the colony will move up to take care of the new brood. After about one day, enough bees have moved upwards.

Now, a little trick is employed. Another colony, it should be a strong colony and there need to be good flying conditions (no rain for example) is moved next to the starter colony. During the course of the day, this colony will now receive the forager bees of the resettled colony. This results in a hive full of bees, the more bees the better as this is ideal when breeding new queens.

Um einen Starter zu erhalten wird ein Saugling mit einem Flugling vereint. Den Saugling erhält man, indem ein Magazin mit ca. vier Brutwaben (beidseits flankiert von je einer Pollen- und Honigwabe) auf einem starken Volk platziert wird (abgetrennt mit einem Königinnengitter). Die Ammenbienen des Volkes wandern nun hoch um sich der Brut anzunehmen. Haben sich ausreichend Bienen eingesammelt (nach ca. einem Tag) kann das Magazin nun benutzt werden, um zusätzlich ein Flugling zu erhalten. Dazu wird ein anderes kräftiges Volk bei gutem Flugwetter verstellt und das Magazin anstelle dessen aufgestellt. Dieses erhält nun im Verlauf des Tages die Flugbienen des verstellten Volkes. Am Ende des Tages ist der Starter komplett – die Brutwaben können nun durch zwei bis drei Zuchtrahmen und ein bis zwei Futterwaben ersetzt werden. Gleichzeitig sollten auch die Pflegevölker vorbereitet werden durch Umhängen von Brutwaben in den Honigraum (wie oben beschrieben). Die Näpfe können auch bei diesem Verfahren nach maximal 24 Stunden wieder entnommen und auf die Pflegevölker verteilt werden. Der Starter kann maximal zweimal verwendet werden, danach sollten die Bienen wieder mit den Völkern vereint werden, denen sie entnommen wurden.

Zucht im Zuchtvolk

Anstelle der Verwendung eines Pflegevolkes können auch dem Zuchtvolk direkt Schwarmzellen entnommen werden. Allgemein besteht die Befürchtung, dass mit dieser Methode sogenannte Schwarmteufel gezüchtet werden. Allerdings können auch Völker mit geringem Schwarmtrieb durch Füttern und Eng-Halten zum Bau von Schwarmzellen animiert werden. Ein Vorteil dieser Methode liegt darin, dass die Ammenbienen die Larven ab Schlupf zur Königin heranziehen. Dadurch entstehen kräftigere und grössere Königinnen als bei späterer Annahme.

Zuchtstoffgewinnung

Als Zuchtstoff eignen sich Eier und eintägige Larven die dem Pflegevolk kopfüber beigesetzt werden müssen. Eine grosse Menge an Eiern und jungen Larven erhält man durch Einhängen einer mit Zuckerwasser besprühten Leerwabe mitten ins Brutnest des Zuchtvolkes. Von dieser können dann sogenannte Eistreifen ausgeschnitten werden und auf den Zuchtrahmen befestigt werden. Die zu nutzende Zellseite wird mit einem Skalpell eingekürzt und jedes zweite Ei rsp. jede zweite Larve wird mit einem Streichholz zerstört. Alternativ können auch eintägige Larven (diese liegen auf den Brutwaben direkt neben den Eiern) in vorbereitete Näpfchen umgelarvt werden. Dazu verwendet man am besten einen Umlarvlöffel, mit welchem man die Larve von ihrer Rückseite her aufhebt und in die Näpfchen ablegt. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Larve nicht umgedreht wird.

Begattungsvölkchen

Um das Schwärmen der Zuchtvölker zu verhindern sollten die Schwarmzellen rechtzeitig mit Schutzkäfigen bedeckt oder den Völkern entnommen werden. Die Zellen sind kurz vor Schlupf relativ unempfindlich (ca.10 Tage nach dem Umlarven) und können dann relativ gut manipuliert werden. Soll die Königin im Käfig schlüpfen, muss dieser mit Futterteig versehen werden. Die Jungköniginnen oder Weiselzellen können dann direkt einem Begattungskästchen zugegeben werden. Diese werden mit Futterteig und Rähmchen mit Mittelwandstreifen versehen. Je nach Grösse des Begattungskästchens sollten 500-3000 Bienen abgefüllt werden. Dafür eignen sich insbesondere junge Bienen des entsprechenden Pflegevolkes, da sie die Jungkönigin problemlos akzeptieren und pflegen. Nach dem Abfüllen sollten die Kästchen für zwei, drei Tage an einem kühlen, dunklen Ort ruhen, wobei sie regelmässig mit Wasser besprüht werden müssen. Anschliessend können die Völkchen für zwei Wochen am Stand oder auf der Belegstation zur Begattung aufgestellt werden.

Königinnen zusetzten

Erfolgreich begattete Königinnen können schlussendlich den Zielvölkern zugesetzt werden. Am höchsten ist die Akzeptanz gegenüber neuen Königinnen in brutfreien Völkern (aber ohne Drohnenmütterchen). Deswegen kann man nach dem Entfernen der alten Königin 9 Tage warten und anschliessend die Weiselzellen ausbrechen und die neue Königin zusetzen. Alternativ kann das Zielvolk mit Zeitungspapier bedeckt und das ganze Begattungskästchen ohne Boden darauf platziert werden. Die Bienen fressen sich dann allmählich durch das Papier und das Zielvolk kann sich bereits an den Geruch der neuen Königin gewöhnen bevor sie mit ihr in Kontakt kommt.

Vatorex, Felix Poelsma
5 November, 2019
teile diesen Artikel
Standortsuche für deine Bienenvölker – Teil 1