Wachsmotten – die Bienenstock Bohrer

Sie schleichen sich in die Bienenstöcke, legen ihre Eier und essen Bienenwachs, Honig, Pollen oder sogar die Bienenlarven oder Puppen. Obwohl sie nicht so gefährlich sind wie Varroamilben oder Krankheiten wie die Amerikanische Faulbrut, sind grosse Mengen an Wachsmotten nie ein gutes Zeichen. Ein gesundes Bienenvolk kann in der Regel mit einigen Wachsmotten umgehen, aber für ein geschwächtes Volk können Wachsmotten eine Bedrohung darstellen. Was sind diese Kreaturen genau und was kannst du gegen sie unternehmen?

Was sind Wachsmotten?

Wachsmotten ist der gebräuchliche Name für verschiedene Arten von Motten, die versuchen, in Bienenstöcke zu gelangen, um dort ihre Eier zu legen. Es gibt verschiedene Arten von Wachsmotten, am bekanntesten ist die Grosse Wachsmotte (Galleria mellonella) und die Kleine Wachsmotte (Achroia grisella). Der Grosse Wachsmotte ist die häufigste und zerstörerischste der beiden [1]. Die erwachsenen Motten selbst stellen für die Bienen keine nennenswerte Bedrohung dar, ihre Nachkommen jedoch schon. Die Larven oder «Wachswürmer» fressen sich buchstäblich durch den Bienenstock und ernähren sich von Wachs, Pollen und Honig. Es wird gesagt, dass sie sogar Kunststoff verdauen können [2].

Selbst in starken Völkern findet man gelegentlich Wachsmotten, die jedoch nur eine Bedrohung für schwache Kolonien darstellen.
Selbst in starken Völkern findet man gelegentlich Wachsmotten, die jedoch nur eine Bedrohung für schwache Kolonien darstellen.

Bei ihrer Nahrungssuche durchqueren Wachswürmer Brut- und Honigzellen und verursachen Brutschäden und Leckstellen bei Honigzellen. Dabei hinterlassen sie eine Spur von Fäden und Ablagerungen. Dieser Tunnel aus Seidengewebe dient als Schutz vor den Bienen, da diese nicht in diese Netze eindringen können. Bei starkem Befall können so ganze Waben verloren gehen und schlüpfende Brut im Gewebe eingeschlossen werden. Eine schwache, in hohem Mass von Motten befallene Kolonie kann deshalb innerhalb weniger Wochen zusammenbrechen.

Das Leben einer Wachsmotte

Eine erwachsene Motte versucht, in einen Bienenstock zu gelangen. Wenn es ihr gelingt, kann sie bis zu 300-600 Eier legen [3]. Wachsmotten legen ihre Eier bevorzugt an dunklen und abgelegenen Orten im Bienenstock. Je wärmer, desto schneller entstehen Wachsmotten. Bei 29 – 35 °C können die Eier in wenigen Tagen schlüpfen, während es bei 18 °C bis zu 30 Tage dauern kann [1]. Die geschlüpften Larven beginnen sofort, ihre Netze zu fressen und zu spinnen. Sie fressen sich durch die Waben und obwohl sie sich normalerweise nicht von der Brut ernähren, können sie einen Teil der brut- oder honighaltigen Zellen zerkauen. Sobald die Larve ausgewachsen ist, sucht sie nach einem Ort, an dem sie einen Kokon drehen und sich verpuppen kann. Normalerweise bewegt sich die Larve zum Rand einer Wabe und kaut ein wenig von der hölzernen Aussenwand des Stockes weg. Auf diese Weise ist sie geschützt und kann von den Bienen nicht leicht entfernt werden. Sie taucht nach einer Woche oder einigen Monaten (wiederum von der Temperatur abhängig) aus ihrem Kokon auf und verlassen den Bienenstock, um sich zu paaren. Erwachsene männliche Motten versuchen die Weibchen anzuziehen, indem sie kurze Ultraschallgeräusche machen und durch die Freisetzung von Pheromonen. Nach der Paarung versucht die weibliche Motte, ihre Eier in einem Bienenstock oder Wabenschrank zu legen (deshalb sollte das Wabenlager immer gut verschlossen sein) und der Zyklus beginnt von vorne.

Lebenszyklus einer Wachsmotte: Ei, Larve, Puppe, adulte Wachsmotte (v.l.n.r.)
Lebenszyklus einer Wachsmotte: Ei, Larve, Puppe, adulte Wachsmotte (v.l.n.r.)

Wie man Wachsmotten erkennt

Wachsmotten können Bienenvölker auf verschiedene Weise beeinflussen, und je früher sie entdeckt werden, desto besser. Am offensichtlichsten ist die Spur von Geweben und Ablagerungen, die sie in ihrem Larvenstadium hinterlassen.

Das Gewebe der Wachsmotten ist für Bienen undurchdringlich, die deshalb fast nichts gegen stark befallene Waben tun können.
Das Gewebe der Wachsmotten ist für Bienen undurchdringlich, die deshalb fast nichts gegen stark befallene Waben tun können.

Ein Wachsmottenbefall ist jedoch nicht immer so klar. Wachsmotten bevorzugen dunkle und unbesetzte Stellen im Bienenstock, so können sie für Bienen und Imker eine ganze Weile verborgen bleiben. Auch wenn Imker unbenutztes Wachs oder assemblierte Mittelwände an Orten lagern, die Wachsmotten erreichen können, haben diese die Chance, sich einzunisten. Weibliche Wachsmotten legen ihre Eier gerne in einer dunklen Garage, wo alte Rähmchen (mit Wachs) gelagert werden. Wenn dann befallenes Wachs oder anderes Imkereimaterial in einen Bienenstock gebracht wird, kann sich der Wachsmotte ausbreiten.

Ein weiteres Zeichen kann das Auftreten weit entwickelter, unverdeckelter Brut sein. Wenn Wachsmotten den Weg zum Bienenstock finden, könnten sie sich von den Deckeln der Brutzellen ernähren und so die Brutzellen entdeckeln. Dies könnte dem normalen hygienischen Verhalten der Arbeiterbienen ähneln, denn die Arbeiterbienen könnten eine Brutzelle öffnen, wenn die Larve Anzeichen einer Krankheit zeigt. Im Krankheitsfall wird die Brut jedoch meist in einem verstreuten Muster entkappt, da nicht die gesamte Brut infiziert ist. Beim Befall durch Wachsmotten folgt das Bild immer einem linearen Muster, da sich die Wachsmotten zwischen Zellen bewegen, die direkt aneinandergrenzen [1].

Wenn du also siehst, dass sich die Zellen in einem linearen Muster geöffnet haben, liegt es wahrscheinlich an Wachsmotten. Bei einem verstreuten Muster ist dies wahrscheinlich das Ergebnis des hygienischen Verhaltens der Arbeitsbienen.

Was man gegen Wachsmotten tun kann

Vorbeugung ist besser als Heilung, daher können die folgenden Schritte unternommen werden, um das Risiko eines Wachsmottenbefalls zu verringern. Beachte, dass wahrscheinlich jedes Bienenvolk, ob stark oder schwach und jede Art von Wabenlager Wachsmotten in jedem Lebensstadium aufweist. Doch nur in schwachen oder kranken Völkern können Wachsmotten die Oberhand gewinnen und Probleme verursachen.

Vorbeugung gegen Wachsmotten

  • Starke Völker halten. Honigbienen und Wachsmotten leben seit Jahrhunderten miteinander und unter normalen Umständen haben die Honigbienen kein Problem damit. Bienen patrouillieren im Bienenstock und entfernen oder töten Wachsmotten oder Eier, wenn sie sie finden.

  • Bienenstock-Volumen der Volkgrösse anpassen. Wachsmotten bevorzugen dunkle, ruhige Räume. Wenn ein Bienenstock zu gross für die Volksstärke ist, sind die Bienen nicht überall präsent. Achte daher darauf, dass du nicht zu viele Rähmchen in den Bienenstock hängst oder zu viele Honigaufsätze auf den Bienenstock bringst. Wenn alle Waben mit Bienen bedeckt sind (80-90%) und die Kolonie Wachstumsanzeichen zeigt (Futtervorräte eingelagert, genügend Nahrungsquellen um den Bienenstock herum), kannst du deine Völker erweitern.

  • Überprüfe deine Stöcke nach undichten Stellen. Das mag offensichtlich klingen, aber Wachsmotten dringen oft durch kleine Risse oder Zwischenräume zwischen den Honigaufsätzen in den Bienenstock ein. Es kann nicht schaden, ab und zu die Bienenstöcke auf Öffnungen zu überprüfen.

  • Vor dem Hinzufügen neuer Waben oder Mittelwände, überprüfe diese auf Wachsmotten (Eier, Larven, Kokons). Mottenbefall beginnt oft im Wabenlager, z.B. in einer Garage, in der Kästen mit vollständig ausgebauten Waben oder mit Mittelwänden gelagert werden.

Massnahmen gegen Wachsmotten

Wenn Wachsmotten zu einem Problem werden, muss man zur Behandlung übergehen. Wenn du aber nur eine einzige Wachsmotte entdeckst, gibt es keinen Grund zur Panik. Die Bienen sind absolut in der Lage, sich um geringe Mengen an Motten selbst zu kümmern. Du kannst folgende Massnahmen treffen, wenn du gegen die Wachsmotten vorgehen willst.

  • Einfrieren. Wachsmotten überstehen in keiner Lebensphase Minusgrade. Vor allem in kälteren Gebieten löst sich das Wachsmotten Problem im Winter von allein. Aber auch dort können einige wenige Wachsmotten im Inneren eines Bienenstocks überleben. Somit ist auch ein Aussen-Lager für Bienenequipment im Winter oder das Einfrieren von Waben im Gefrierschrank eine Möglichkeit, um den Wachsmottenbefall einzudämmen. Studien zeigen, dass Wachsmotten bei kälteren Temperaturen schneller sterben [4]:

    • ≤ 0°C, 24 Stunden

    • -7°C 4.5 Stunden

    • -12°C 3 Stunden

    • – 15°C, 2 Stunden

  • Verbrennen. Wenn eine Wabe oder ein Rahmen von Wachsmotten befallen ist, wird durch das Verbrennen des gesamten Materials sichergestellt, dass keine neuen Wachsmotten entstehen. Es mag ein wenig drastisch klingen, aber das Verbrennen kann für die kommende Saison viele Probleme mit Wachsmotten verhindern.

  • Biologisch. Bacillus Thuringiensis ist ein Bakterium, das für Bienen oder Menschen unschädlich ist, aber Wachswürmer abtöten kann. Die Bakterien produzieren Sporen, die ein Gift enthalten. Wenn sich Wachswürmer von der Spore ernähren, wird dieses Gift freigesetzt. Gut an dieser Lösung ist, dass sie keine Rückstände im Honig hinterlässt [5]. Einige Studien stellen jedoch fest, dass es nicht alle Wachsmotten abtötet [6]. Dieses Verfahren kann auch mit dem Einfrieren kombiniert werden. Auf diese Weise werden alle Motten durch den Gefrierprozess getötet und wenn sich nach der Gefrierbehandlung eine neue Wachsmotte ansiedelt, stirbt sie wegen dem Bakterium.

  • Chemisch. Es gibt auch verschiedene chemische Methoden zur Kontrolle von Wachsmotten. Dies sind jedoch drastische Massnahmen und sollten nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Weiterhin ist zu beachten, dass in der Schweiz nur Ameisensäure und Essigsäure verwendet werden darf, deren Wirkungsweise gelten als vergleichbar. Der Dampf dieser Substanzen tötet Wachsmotten in jedem Lebensabschnitt, aber Wachsmottenpuppen in Kokons sind etwas besser geschützt, was bedeutet, dass sie länger exponiert werden müssen. Normalerweise kann und sollte der Einsatz von Chemikalien aber vermieden werden, da dadurch auch die Gefahr einer Kontamination des Honigs besteht [7]. In der Vergangenheit wurden andere Chemikalien wie Paradichlorbenzol und Schwefel verwendet. In der Schweiz ist die Verwendung dieser Substanzen jedoch verboten, da Studien ergeben haben, dass Honig dadurch kontaminiert wurde und sich auch Rückstände im Wachs ansammeln[5].

Wachsmotten als Müllabfuhr

Manchmal können Wachsmotten auch positive Effekte haben. Indem sie alles im Weg stehende auffressen, können sie auch helfen, krankheitsbefallene Waben loszuwerden. Als die Wachsmotte in als exotische Art ankam, wurde angenommen, dass dies zu einer Verringerung der Fälle von Faulbrut (AFB) führte [3]. Obwohl sie in der Bienenzucht als Schädlinge gelten, sind sie ein interessanter Abfallverarbeiter der Natur. Die in ihren Verdauungstrakten vorhandenen Bakterien könnten wertvolle Erkenntnisse darüber liefern, wie wir unsere eigenen Abfälle verarbeiten können.

Literatur

[1] Ellis, J. D., Graham, J. R., & Mortensen, A. (2013). Standard methods for wax moth research. Journal of Apicultural Research, 52(1), 1-17.

[2] Ball, P. (April 25, 2015). Plastic-eating bugs? It’s a great story – but there’s a sting in the tail. The Guardian. https://www.theguardian.com/commentisfree/2017/apr/25/plastic-eating-bugs-wax-moth-caterpillars-bee

[3] National Bee Unit. (2019) Wax Moth. Animal & Plant Health Agency.

[4] Charrière, J. D. & Imdorf, J. (1999) Protection of honey combs from wax moth damage. American Bee Journal 139(8): 627-630.

[5] Charrière, J. D. & Imdorf, J. (2004) Schutz der Waben vor Mottenschäden. Schweizerisches Zentrum für Bienenforschung, Forschungsanstalt für Milchwirtschaft.

[6] Ellis, A. M., & Hayes, G. W. (2009). Assessing the efficacy of a product containing Bacillus thuringiensis applied to honey bee (Hymenoptera: Apidae) foundation as a control for Galleria mellonella (Lepidoptera: Pyralidae). Journal of Entomological Science, 44(2), 158-163.

[7] Droz, B. & Charrière, J. D. (2015) Nach Wachsmottenbehandlung Ameisensäurerückstände im Honig. Schweizerische Bienen-Zeitung, 08/2015 p. 14-16.

Vatorex, Felix Poelsma
28 Oktober, 2019
teile diesen Artikel
Das kleine ABC der Königinnenzucht