Standortsuche für deine Bienenvölker – Teil 2

Du kannst Bienen fast überall halten, am Waldrand, auf dem Land, in deinem eigenen Garten oder sogar auf deinem Balkon oder Dach (das solltest du aber mit deinen Nachbarn besprechen). Bienen sind sehr anpassungsfähig, aber das bedeutet nicht, dass wir sie sorglos irgendwo platzieren sollten. Je besser der Ort, desto besser das Wohlbefinden und die Honigproduktion des Volkes. Was also solltest du bei der Standortwahl beachten?

Im  ersten Artikel I haben wir uns auf die Auswahl eines Bienenstandortes befasst. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie du deinen bestehenden Standort für deine Bienen komfortabler gestalten kannst. Unter anderem schauen wir uns die Faktoren Sonnenlage, Windverhältnisse, Zugänglichkeit und mehr an.

Der perfekte Standort

Die Wahl eines Bienenstockstandortes ist ein Balanceakt, es gibt zahlreiche Faktoren zu beachten und in der Regel können nicht alle Punkte berücksichtigt werden. In der Praxis ist die Standortwahl ein Kompromiss zwischen Natur und eigenem Komfort. Zum Beispiel siedeln sich die Honigbienen in freier Wildbahn typischerweise in hohlen Bäumen hoch über dem Boden an, aber es wäre ziemlich unpraktisch, wenn du jedes Mal eine Leiter benutzen müsstest, wenn du eine Inspektion durchführen willst. Die Tipps in diesem Artikel sind daher als Orientierung und nicht als starre Richtlinien gedacht.

Sonnenlicht und Schatten

Die aufgehende Sonne erwärmt und aktiviert die Bienen in unserem Bienenhaus in Bertschikon (Schweiz), während die Bäume am Nachmittag Schatten spenden.
Die aufgehende Sonne erwärmt und aktiviert die Bienen in unserem Bienenhaus in Bertschikon (Schweiz), während die Bäume am Nachmittag Schatten spenden.

Die Menge an Sonnenlicht ist aus mehreren Gründen wichtig. Erstens bringt die frühe Morgensonne die Bienen in Schwung. Je früher sie aktiv werden, desto mehr Zeit haben sie, Nektar und Pollen zu sammeln. Im Idealfall zeigt der Eingang des Bienenstocks in Richtung der aufgehenden Sonne. Zweitens beeinflusst das Sonnenlicht die Temperatur im Inneren des Bienenstocks. Im Allgemeinen, wenn man sich in einem warmen Klima befindest, wird etwas Schatten am Nachmittag den Bienen helfen, den Bienenstock auf einer angenehmen Temperatur zu halten. In kühleren Klimazonen kann es von Vorteil sein, den ganzen Tag über Sonnenlicht zu haben. Denn Bienen halten das Brutnest konstant bei 35°C und verbringen viel Zeit und Energie damit, den Bienenstock zu erwärmen oder zu kühlen (lies hier mehr über die Thermoregulation der Honigbienen), also berücksichtige dein lokales Klima. Schliesslich kann Sonnenlicht im Winter einen wichtigen Temperaturunterschied verursachen. Sonnenlicht am Eingang des Bienenstocks ist eine grosse Hilfe für die Kolonie und erhöht ihre Überlebenschancen in den Wintermonaten.
 (lies hier mehr über die Thermoregulation der Honigbienen)also berücksichtige dein lokales Klima. Schliesslich kann Sonnenlicht im Winter einen wichtigen Temperaturunterschied verursachen. Sonnenlicht am Eingang des Bienenstocks ist eine grosse Hilfe für die Kolonie und erhöht ihre Überlebenschancen in den Wintermonaten.

Halte deine Bienenstöcke über dem Boden

Wenn du deine Bienenstöcke erhöhst, wird es für Raubtiere schwieriger, in den Bienenstock einzudringen. Naturgemäss neigen Bienen dazu, ihre Bienenstöcke hoch über dem Boden zu bauen, und es wird empfohlen, solche Bedingungen zu imitieren [1] (etwa 5 Meter über dem Boden). Da dies für eine normale Imkerei kaum praktikabel ist, solltest du dir einfach bewusst sein, dass selbst 50 cm über dem Boden viel besser sind, als wenn die Beute auf dem Boden steht. Die meisten Bienenhäuser haben ihre Bienenstöcke erhöht, für freie Magazinbeuten kannst du einen Holz- oder Metallständer verwenden. Ausserdem erleichtert ein Bienenstockständer das Heben schwerer Elemente (nicht zu unterschätzen ist das Gewicht eines vollen Honigraums!).

Halte deine Stöcke auf einem ausgeglichenen Niveau

Das mag offensichtlich klingen, aber es ist wichtig, die Bienenstöcke von einer Seite zur anderen eben zu halten. Einzig die Vorderseite oder nur der Bienenstockeingang können leicht nach vorne geneigt werden, um zu verhindern, dass Regenwasser in den Bienenstock fliesst.

Stabiler, trockener Grund

Der perfekte Standort hat festen und trockenen Boden, denn wenn es Regnet bilden sich sonst Pfützen unter den Beuten. Wenn die Gegend rund um dein Bienenstöcke zu einem schlammigen Pool wird, können die Beuten auch nass werden. Feuchtigkeit um den Stock herum kann zu Schimmelbildung führen. Auch hilft eine trockene Umgebung den Bienen, den Feuchtigkeitsgehalt des Honigs zu senken. Je niedriger, desto besser die Honigqualität
(lies mehr darüber, wie Bienen Honig herstellen).

Wind

Wind kann grosse Auswirkungen auf so kleine Insekten wie Bienen haben. Wie man in diesem Video sehen kann, kann die Landung auf dem Flugbrett zu einer ziemlichen Herausforderung werden!

Bienen versuchen bei windigen Verhältnissen auf dem Flugbrett zu landen.

Der Wind hat auch einen Einfluss auf die Temperatur im Bienenstock. Vor allem ein eisiger Winterwind kann die Kolonie zusätzlich belasten. Ein Bienenhaus bietet grossen Schutz vor Wind. Bei frei aufgestellten Magazinbeuten ist es definitiv eine gute Idee, eine Hecke oder einen Zaun um den Bienenstandort zu legen. Eine weitere Möglichkeit ist die Platzierung einer Platte an der Seite des Stockes, die den Eingang der Beute vor Wind schützt. Starke Winde während eines Sturms können dazu führen, dass eine Beute umkippt, daher ist Windschutz in Form eines Stabilisators oder Riemens sehr wichtig.

Achte auf die Flugroute der Bienen

Der Bewegungsraum der Bienen geht über die Grenzen des eigentlichen Bienenstocks hinaus. In den ersten drei Metern vor dem Eingang des Bienenstocks wird so richtig gesummt von den ein- und ausfliegenden Flugbienen. Wenn sich dein Standort in der Nähe einer Strasse oder eines Gartens befindet, achte darauf, dass du den Eingang des Bienenstocks nicht direkt darauf ausrichtest. Ausserdem ist es ratsam, den Eingang vom eigenen Zugang wegzuweisen. Bienen können jemanden, der sich ihnen von vorne nähert, als bedrohlich wahrnehmen, so dass durch eine Änderung ihrer Flugbahn viele unangenehme Begegnungen vermieden werden können. In der Schweiz ist es erforderlich, den Bienenstock in 10 Meter Entfernung von einem Gehweg oder einer Strasse zu platzieren.

Verflug

Honigbienen können durch Zufall in den falschen Bienenstock gelangen, dies wird als Verflug bezeichnet. Dies kann dazu führen, dass sich Krankheiten schnell von Bienenstock zu Bienenstock ausbreiten. Versuche daher, dies zu reduzieren. Grundsätzlich sind mehr als 10 Bienenstöcke, die eng beieinander liegen, nicht ideal. Das Hinzufügen von etwas Platz (bereits ein paar Zentimeter helfen) zwischen deinen Völkern hilft den Bienen, leichter nach Hause zu gelangen. Die Flugzugänge verschiedener Bienenstöcke können auch durch das Anbringen von Holzplatten zwischen den Bienenstöcken getrennt werden.

Zugang

Achte auf einen eingachen Zugang zu deinen Bienenstöcken. Du musst Geräte an diesen Ort bringen: Beuten, Honigräume und gefüllte Waben können ziemlich schwer werden. Einige Imker, besonders diejenigen mit vielen Bienenstöcken, benutzen sogar einen kleinen Kran, um die Arbeit an den Stöcken zu erleichtern.

Besondere Überlegungen für die städtische Imkerei

Viele Bienenstöcke in städtischen Gebieten werden entweder im Hinterhof oder auf Dächern gehalten. Wenn du einen Bienenstock ebenerdig platzierst, achte auf die Flugbahn der Bienen. Vermeide, dass Kinder oder Haustiere in die Nähe des Bienenstockeingangs kommen können, da sie sonst gestochen werden könnten. Eine mögliche Lösung ist das Setzen eines Zauns vor dem Eingang des Bienenstocks (in einem Abstand von 3 Metern), der die Bienen zwingt, nach oben zu fliegen, wo sie die Nachbarn nicht mehr stören. Für Bienenstöcke auf Dächern kann die Zugänglichkeit erschwert sein. Versuchen nicht, schwere Geräte mit einer wackeligen Leiter auf das Dach zu bringen. Achten auch darauf, einige Windschutz-Elemente zu platzieren, da der Wind auf Dächern ziemlich stark werden kann.

Tipps

Als Faustregel gilt, dass du vor allem auf einen guten Standort für den Winter achten solltest. Bienen müssen an dieser Stelle überwintern können, deshalb sind Orte, an denen der Schnee nicht lange liegen bleibt, ein guter Ausgangspunkt.

Lade einen erfahrenen Imker ein, um deinen Standort zu erkunden. Er oder sie kann dir sicherlich noch weitere, wertvolle Tipps oder Einblicke geben.

Unterstütze deine Völker

Mit all diesen Faktoren im Hinterkopf, kannst du das Beste aus deinen Völkern herausholen. Bienen sind sehr vielseitige Lebewesen und können problemlos in Gebieten leben, in denen einer dieser Faktoren nicht optimal umgesetzt ist. Es kann jedoch nie schaden, deinen Bienen eine helfende Hand zu reichen. Einfache Methoden wie des Aufsetzens eines Windschutzes kann ihr Leben viel angenehmer machen und zu einer Steigerung der Honigerträge führen – was schlussendlich auch jeden Imker freut!

Literatur

Seeley, T. (2017). Darwinian Beekeeping: An Evolutionary Approach to Apiculture. American Bee Journal pp. 277-285.

Vatorex, Felix Poelsma
23 Dezember, 2019
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