Honig Verkaufskanäle (Teil I/II)

Wir alle sind Imker aus Leidenschaft, doch einige von uns müssen vollständig oder teilweise von dieser Leidenschaft leben. Wie verdient ein Bienenzüchter Geld?

In den meisten Fällen leben die professionellen Imker vom Verkauf von Bienen-Produkten, namentlich Honig, Pollen, Propolis, Gelée Royal oder durch den Verkauf ganzer Bienenvölker oder lebendigen Königinnen. In diesem Artikel, der in zwei Teile unterteilt ist, geben wir einen Einblick in den Honigmarkt. In diesem ersten Teil werden wir mögliche Verkaufskanäle und relative Preise des Honigmarktes kennenlernen.

Hier geht es zum zweiten Teil Wie kann ich meinen Honigumsatz ankurbeln?

Was ist eigentlich Honig?

Honig auf einem Honigbrot
Honig auf einem Honigbrot

Gemäss der EU Direktive 2001/110/EG betitelt Honig als „den natursüssen Stoff, der von Bienen der Art Apis mellifera erzeugt wird. Honig besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere aus Fructose und Glucose, sowie aus anderen Stoffen wie organischen Säuren, Enzymen und beim Honigsammeln aufgenommenen festen Partikeln.“

In der Schweiz ist es verboten, Zusatzstoffe in den Honig zu geben und gemäss dem italienischen Gesetz ist Honig als Mischung verschiedener Honigarten, also solchen mit unterschiedlichem geographischen und Hintergrund oder unterschiedlicher Flora, mit dem Label „Honigmischung“ versehen erlaubt.

Verkaufskanäle für Imkerinnen und Imker

Als Imkerin oder als Imker stellt sich unweigerlich die Frage, wo man seinen Honig verkaufen kann. Wir beantworten diese Frage durch eine Analyse der verschiedenen Verkaufskanäle, deren Vor- und Nachteile und einer Preisübersicht.

Der Honigpreis hängt nämlich vom Verkaufskanal wie auch vom Kunden ab. Als Referenzpreis nehmen wir den Durchschnittspreis von mehrblütigem Honig mit einem Wassergehalt unter 18%. Industriehonig und Mellizitosehonig sind in dieser Analyse nicht dabei. Die drei wichtigsten Verkaufskanäle sind:

  • Einzelhandel

  • Wiederverkäufer

  • Grosshandel

Einzelhandel

Der Verkauf via Einzelhandeln beschreibt den Direktverkauf des Imkers an den Endkunden, normalerweise an individuelle Privatpersonen.
Die drei hier behandelten Verkaufsformen im Einzelhandel sind lokale Märkte, der Verkauf in einem Honig-Shop oder online-Verkäufe.

Verkauf bei lokalen Märkten

Um bei Märkten (Dorffester, Wochenmarkt, permanente Märkte) teilzunehmen als Verkäufer ist oft eine geringe Teilnahmegebühr und je nachdem eine Steuer für die Benutzung öffentlicher Fläche an den Veranstalter zu entrichten.
Wir empfehlen, sich bei den Organisatoren oder der Stadtverwaltung genügend früh über die anfallenden Spesen zu informieren.

Honig Verkauf bei einem Marktstand
Honig Verkauf bei einem Marktstand

Der grosse Vorteil dieser Verkaufsmethode ist, dass man eine grosse Anzahl Produkte in relativ kurzer Zeit an verschiedene Kunden verkaufen kann, da diese Märkte oftmals gut besucht sind. Nachteilig wirkt sich aus, dass man einen Verkaufsstand braucht, welcher an die Platzverhältnisse angepasst sein muss, was teilweise zwischen unterschiedlichen Märkten variiert. Oft reicht aber bereits ein schön dekorierter Tisch.

Der Verkaufspreis ist normalerweise leicht über demjenigen in Honig-Shops. Die Preisgestaltung liegt aber komplett beim Imker. Durchschnittliche Preise bewegen sich in der Schweiz zwischen 12-16 CHF pro Pfund Honig.

Diese Methode ist gut geeignet für Imker im Nebenerwerb, welche keine kontinuierlichen Verkaufsaktivitäten verfolgen möchten oder können, trotzdem aber den eigenen Honig, direkt verkaufen möchten.

Verkauf in einem Honig-Shop

Damit ist der Verkauf in einem eigenen kleinen Shop gemeint, wo je nachdem auch andere Produkte aus der Landwirtschaft (Obst, Säfte, Kräuter, Blumen etc.) verkauft werden können.

Bienenzüchter, welche einen Schleuderraum oder ähnliches bei sich zu Hause eingerichtet haben, kombinieren diese Arbeitsstätte oft mit einem kleinen Verkaufsladen. Dazu gehören oftmals sogenannte „Hoflädeli“ oder der Verkauf „ab Rampe“.
Einen eigenen kleinen Shop zu besitzen bringt den Vorteil, einen persönlichen Ort nach den eigenen Wünschen einzurichten, wo auch Events veranstaltet werden können. Ein Hofladen ist auch eine gute Möglichkeit, seinen Kundenstamm ohne grossen Aufwand zu pflegen. Der Nachteil liegt in den relativ hohen Fixkosten. Auch kommt es bei selbstbedienungs-Läden sehr auf die Zahlungsmoral der Kunden darauf an. Bei unserem eigenen Lädeli, wo wir neben Honig auch selbstgepressten Apfelsaft verkaufen, wird aber sehr ehrlich bezahlt und es fehlt fast nie ein Franken. Unser Lädeli liegt in Dorfgebiet, zwischen Winterthur und Frauenfeld in einer eher ländlichen Umgebung

Der Preis für den Verkauf im eigenen Shop liegt bei ca. 11 bis 15 CHF pro 500g Glas Honig. Wir empfehlen diese Methode für professionelle Imker, welche einen gewissen Platz zur Verfügung haben und die auf einen gewissen Kundenstamm angewiesen sind, welche sie mit einem permanenten Verkaufspunkt ausbauen können.

Online-Verkauf via e-commerce

Der online-Verkauf kann über einen eigenen Shop oder über eine Plattform (z.B. Ebay, Ricardo, Amazon) geschehen.

Der Vorteil eines eigenen online-Shops ist, dass dieser 24/7 erreichbarist, wo auch immer deine Kunden sich befinden. In der heutigen Zeit sind dieKosten, um eine einfache e-commerce Lösung zu verwenden (Beispiel WordPress& Woocommerce) sehr niedrig.

Woocommerce ist die wohl einfachste Lösung für einen eigenen Shop.
Woocommerce ist die wohl einfachste Lösung für einen eigenen Shop.

Der Nachteil ist, dass man sich um die Shop-Pflege und Kundenakquise kümmern muss, damit dieser konstant Verkäufe generiert. Dazu gehören Punkte wie online Marketing bis hin zu Web Development. Bei Kreditkarten-Zahlungen fallen dabei zusätzlich jeweils rund 3% Gebühren an, was den Erlös wiederum etwas schmälert.

Wir empfehlen den Verkauf via e-commerce Imkerinnen und Imker, welche bereits eine breite Kundenbasis und eine starke Marke besitzen. Dadurch sinken die Kosten für wiederkehrende Kunden und den Honigkunden wird der Kauf erleichtert. Ebenfalls lohnt sich diese Methode für kleinere Imker, welche gewisse Erfahrung im online Marketing und Website Management mitbringen.

Der Verkauf über existierende Plattformen wie Ebay oder Amazon eliminiert das Problem, sich um die technischen Tücken des eigenen Shops kümmern zumüssen. Darüber hinaus erreichst du damit eine grosse Anzahl an möglichen neuenKunden, setzt dich aber gleichzeitig einer grösseren Konkurrenz aus. DerNachteil dieser Plattformen sind die prozentualen Gebühren und dieAbhängigkeit, in die du dich dadurch begibst.

Honig bei Amazon – grosse Auswahl, grosse Preisunterschiede
Honig bei Amazon – grosse Auswahl, grosse Preisunterschiede

Der Verkauf über diese Plattformen empfehlen wir Bienenzüchtern, welche ihren Honig vermarkten möchten und eine grosse Kundenbasis erreichen möchten, zum Preis von etwas tieferen Gewinnmargen. Endpreise variieren dabei relativ stark, von ca. CHF 25 bis CHF 40 pro Kilo, in diversen verfügbaren Honiggläsern (125 g bis 1 kg)

Ein wichtiger Punkt soll hier aber noch gesagt sein. Honig über das Internet zu verkaufen, ist nicht einfach. Es handelt sich hierbei um einen spannenden Verkaufskanal, die Kunden müssen sich schlussendlich aber auch noch für deinen Honig zum gewünschten Preis entscheiden.

Wiederverkäufer

Beim Verkauf via Wiederverkäufer liefert der Imker seinen fertig abgefüllten Honig an einen Händler, welcher den Honig dann schlussendlich an die Endkunden verkauft. Wiederverkäufer sind oft relativ kleine, lokale Händler und bieten Spezialitäten an.

Normalerweise werden dabei vom Händler periodisch grössere Quantitäten zu tieferen Preisen gekauft. Der Endpreis des Honigs im Shop setzt sich dann aus dem Honigpreis des Imkers plus der Gewinnmarge des Händlers zusammen. Die Bestellungen variieren dabei stark, grundsätzlich sprechen wir von Bestellungen zwischen 15 bis 200 Kilogramm.

Der Vorteil dieses Verkaufskanals ist die grössere Quantität an Honig für eine einzige Bestellung, kombiniert mit einem etwas höheren Honigpreis als im Grosshandel. Zusätzlich gibt es Spezialitäten-Shops, die z.B. deine Flyer auflegen, somit hast du gleichzeitig auch noch einen Marketing-Kanal.

Der Nachteil ist ein tieferer Preis gegenüber dem Einzelverkauf und der Verlust des direkten Kundenkontaktes. Die Honigpreise an die Spezialitätenhändler liegen in der Grössenordnung 20 – 25 CHF pro Kilogramm.

Diese Methode lohnt sich für alle Imker, welche sich keine Gedanken um das Marketing oder den Vertrieb machen möchten und den Honig nicht an einen Grosshändler liefern möchten.

Grosshandel

Der Grosshandel-Vertrieb betitelt den Verkauf grosser Mengen unverpackten Honigs, normalerweise wird der Honig in 25 kg Metallbehältern verkauft.

Dieser Kanal bringt die Möglichkeit mit sich, grosse Quantitäten bis hin zu mehreren Tonnen Honig zu verkaufen, ohne sich um das Abfüllen, Etikettieren und den Verkauf zu kümmern. Allerdings akzeptiert man dabei einen tieferen Verkaufspreis pro Kilogramm.

Dieser Verkaufskanal wird vorwiegend von professionellen Imkern mit einer grossen Anzahl an Bienenvölkern genutzt, welche ihre Zeit in die imkerliche Arbeit investieren möchten und nicht in den Verkauf. Der Preis liegt dabei im Rahmen 13 – 17 CHF pro Kilogramm in der Schweiz.

Manchmal gibt es auch die Möglichkeit, grosse Quantitäten an Bienenzüchtervereine oder Zusammenschlüsse von Imkern zu verkaufen.

Zusammenfassung

Die Wahl des geeigneten Verkaufskanals hängt von den Präferenzen des Imkers ab. In der nachfolgenden Tabelle findest du eine Übersicht über die unterschiedlichen Verkaufskanäle. Alle Angaben in diesem Artikel sind ohne Gewähr.

 

Im zweiten Teil dieses Artikels lernen wir mehr über die Grundkonzepte des Honig-Marketings, wie die Kundenakquise und langfristige Kundenbindung erreicht werden kann. Bei spezifischen Fragen zu diesem Thema stehen wir dir natürlich gerne zur Verfügung, schreib uns doch an pp@vatorex.ch. Ich freue mich, deine Anregung im kommenden Artikel zu beantworten.

Hier geht es zum zweiten Teil Wie kann ich meinen Honigumsatz ankurbeln?

Vatorex AG, Felix Poelsma
8 Oktober, 2019
teile diesen Artikel
Honigumsatz steigern (Teil II/II)