Auf jede Biene kommt’s an

Unterschiede zwischen Honigbienen und Wildbienen

Honig und Bienen werden oft im gleichen Atemzug genannt. Allerdings ist es eigentlich nur die Honigbiene, die Honig produziert. Es gibt eine Fülle anderer „wilder“ Bienenarten, die eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Kultur- und Naturpflanzen spielen.

Weltweit gibt es über 20’000 Bienenarten, von denen mehr als 600 in der Schweiz leben [1]. Neben den Honigbienen spielen auch andere Bienenarten eine wichtige Rolle bei der Bestäubung. Jede Art hat ihre eigenen einzigartigen Eigenschaften und Vorlieben. Einige Bienen können eine grosse Vielfalt an Pflanzen besuchen, während andere nur eine bestimmte Blume besuchen. Einige Bienen leben in Kolonien, während andere es vorziehen, allein zu leben, und schliesslich können nicht alle Bienen stechen.

Sozial oder solitär

Die Honigbiene ist ein sehr soziales Tier, da sie in hoch organisierten Kolonien lebt. Hier bestimmt eine strenge Arbeitsteilung die Rolle jeder einzelnen Biene. Die Königin ist für das Eierlegen verantwortlich und die Drohnen (männliche Bienen) sind ausschließlich dazu da, sich mit ihr zu paaren. Die Arbeiterbienen (Weibchen) erfüllen alle anderen Aufgaben. Je nach Alter kann sie sich entweder um die Larven kümmern, Waben bauen oder Nektar und Pollen suchen. Honigbienen werden als sogenannter „Superorganismus“ eingestuft. Ein Superorganismus ist eine organisierte Gruppe von vielen Organismen, die als eine Einheit wirken. Jeder einzelne Organismus wäre nicht in der Lage, allein zu überleben [2]. Einige besondere Wildbienenarten leben auch in Kolonien, Hummeln zum Beispiel in Gemeinschaften von 50 bis 400 Individuen. Diese Zahl wird jedoch durch die Größe eines Honigbienenvolkes, das aus über 50’000 Arbeitsbienen bestehen kann, in den Schatten gestellt.

Im Gegensatz zu Honigbienen sind die meisten Wildbienen nicht so sozial. Einige Arten interagieren nur mit ihren Kollegen, um sich zu paaren. Diese solitären Bienen bauen Nester, typischerweise in Form eines Tunnels mit verschiedenen Zellen. Die Zellen sind mit Pollen und Nektar gefüllt, um die Larven zu füttern. Einzelbienen können ihr Nest in jeder Art von Hohlräumen bauen, wie z.B. in Hohlstielen oder Spechtlöchern. Jede Art hat ihre eigenen Vorlieben, z.B. neigen „Bergbau-Bienen“ dazu, ihr Nest im Boden zu bauen, während „Zimmerbienen“ Löcher in Holz bohren. Kürzlich entdeckte der Wissenschaftler sogar Bienennester aus Kunststoff [3].
 

Einige Einzelbienen arbeiten teilweise zusammen, zum Beispiel indem sie den Eingang zu ihren Nestern teilen

Beispiel einer solitären Biene mit ihrem Nest mit einzelnen Zellen für unterschiedliche Larven.
Beispiel einer solitären Biene mit ihrem Nest mit einzelnen Zellen für unterschiedliche Larven.

Bestäubung

Wildbienen sind sehr effiziente Bestäuber, z.B. kann die „Maurerbiene“ bei Apfelbäumen gleichviel bestäuben wie 120 Honigbienen zusammen! Es wird geschätzt, dass Wildbienen den größten Teil der Bestäubungsdienste erbringen [1]. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Wildbienen die besseren oder wichtigeren Bestäuber sind. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine vielfältige Gruppe von Bestäubern die Bestäubung von Wild- und Kulturland erhöht [4]. Es geht also nicht darum, welche Biene die beste Bestäubung leistet, sondern um eine vielfältige Gruppe von Bienenarten. Jede Art hat ihre eigenen Eigenschaften und Vorlieben. So haben beispielsweise der Mauerbiene oder die Hummeln im Vergleich zu den Honigbienen längere Zungen, was sie besser geeignet macht, bestimmte Pflanzen wie Rotklee oder Tomaten zu bestäuben [1]. Eine vielfältige Gruppe von Bestäubern ist widerstandsfähiger als eine einzelne, da einige Arten durch bestimmte Temperaturen, Sonneneinstrahlung und Pflanzenarten besser abschneiden könnten.

Wildbienen benötigen während der gesamten Vegetationszeit einekontinuierliches Blütenangebot, um ihr Überleben zu sichern. Die meisten Arten sind nur 1-2 Monate aktiv. Arten, die in Kolonien leben, wie Hummeln, sind von März bis Oktober auf eine kontinuierliche Blütenversorgung angewiesen. Quelle [1]
Wildbienen benötigen während der gesamten Vegetationszeit einekontinuierliches Blütenangebot, um ihr Überleben zu sichern. Die meisten Arten sind nur 1-2 Monate aktiv. Arten, die in Kolonien leben, wie Hummeln, sind von März bis Oktober auf eine kontinuierliche Blütenversorgung angewiesen. Quelle [1]

Arten, die in Kolonien leben, wie die Hummeln und die Honigbienen, sind während der gesamten Vegetationszeit aktiv. Im Gegensatz dazu sind die meisten solitären Bienenarten viel kürzer aktiv, in der Regel nur etwa 1-2 Monate.

Andere Bestäuber

Neben Bienen spielen auch andere Insekten wie Schwebefliegen oder Schmetterlinge eine Rolle bei der Bestäubung. Schwebefliegen können weniger Pollen auf ihrem Körper tragen, aber dies wird durch mehr Besuche bei Pflanzen kompensiert [5]. Schmetterlinge mögen ineffizient erscheinen, da sie aufgrund ihrer hohen und winzigen Beine nicht in der Nähe der Pflanzenpollen sein können. Aber sie tragen den Pollen, den sie sammeln, über viel größere Entfernungen [6].

Auf jede Biene kommt’s an

Heute sind Honigbienen die wichtigsten Bestäuber von Kulturpflanzen [7]. Dies liegt vor allem daran, dass die Honigbiene durch den Menschen traditionell schon immer zur Bestäubung verwendet wurde. Ihre wichtige Rolle in unserem Ernährungssystem ist daher ein Ergebnis der menschlichen Entscheidung. Die Forschung darüber, welche Bienen am besten geeignet sind, um zu bestäuben, wird jedoch kontinuierlich weitergeführt, und es werden zweifellos in Zukunft neue Erkenntnisse aufkommen. Es ist jedoch offensichtlich, dass ein breites Spektrum von Bienenarten und anderen Insekten zu einer effektiven Bestäubung sowohl von Kultur- als auch von Naturpflanzen führt. Das führt zu widerstandsfähigeren und gesünderen Ökosystemen. Kurz gesagt, auf jede Biene kommt’s an.
  

Literatur

[1] Pfiffner, L. & Müller, A. 2016. Wildbienen und Bestäubung. Forschungsinstitut für Biologische Landbau (FiBL). ISBN 978-3-03736-301-0

[2] Moritz, R., & Southwick, E. E. 2012. Bees as superorganisms: an evolutionary reality. Springer Science & Business Media.

[3] Starr, M. 2019. Wild Bees Have Been Found Building Nests Entirely Out of Plastic Waste. Science alert. Retrieved from: https://www.sciencealert.com/wild-bees-have-been-found-building-nests-entirely-out-of-plastic-for-the-first-time

[4] Aebi, A., Vaissière, B. E., Van Engelsdorp, D., Delaplane, K. S., Roubik, D. W., & Neumann, P. 2012. Back to the future: Apis versus non-Apis pollination-a response to Ollerton et al. Trends in ecology & evolution.

[5] Larson, B. M. H., Kevan, P. G., & Inouye, D. W. 2001. Flies and flowers: taxonomic diversity of anthophiles and pollinators. The Canadian Entomologist, 133 (4), 439-465.

[6] Herrera, C. M. (1987). Components of pollinator” quality”: comparative analysis of a diverse insect assemblage. Oikos, 79-90.

[7] Greenpeace. 2013 Bye bye Biene? Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa.

Vatorex, Felix Poelsma
27 Juni, 2019
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